Theatergruppe Oostpool aus Arnhem: ein Portrait


Foto: Theatergruppe Oostpool

Die Theatergruppe Oostpool macht zeitgemäßes, packendes und aufgeschlossenes Theater, mit dem unverwüstlichen Lebenswillen des Menschen als Inspirationsquelle. Theatergruppe Oostpool steht für hochwertiges Theater, mit dem sie ein eigenes breites Publikum an sich binden will. Das Ensemble bildet eine feste künstlerische Einheit und arbeitet konsequent an einem neuen niederländischen Repertoire. 



Foto: Theatergruppe Oostpool

Die Theatergruppe wurde im Januar 2001 gegründet und zählt zu den großen professionellen niederländischen Theatergesellschaften. Haus Oostpool in Arnhem ist die Heimstätte der Theatergruppe und von Arhem aus erobert sie ihr Publikum in den östlichen Provinzen und darüberhinaus in den ganzen Niederlanden. Näheres zum Theater "Huis Oostpool" im Theaterprofil.
Auch international hat sich die Theatergruppe Oostpool einen Namen gemacht. So kann sie auf Gastspielauftritte und Inszenierungen ihrer Theaterstücke auf europäischer Bühne zurückblicken. Einige Beispiele:

Im Juni 2006 führte sie, nach einem Text von Gerrit Komrij, die musikalische Theaterproduktion Brel 2 (Regie: Rob Ligthert, Musik: Wim Selles, mit Jeroen Willems) im Schauspielhaus München auf.

Ebenfalls im Juni 2006 dann die Aufführung des Stückes Die Nymphen (Regie: Litwien Roothaan) von Peer Wittenbols im Hessischen Staatstheater Wiesbaden.

Im Dezember 2006 hatte das Stück Atalanta von Hausautor Peer Wittenbols im u\hof: Landestheater Linz in einer Inszenierung von Urs Obrecht Premiere.



Foto: Theatergruppe Oostpool

Künstlerisches Profil

Die Theatergruppe Oostpool besteht aus Geschichtenerzählern, die an die läuternde, konfrontierende und aufstrebende Kraft der Theaterkünste glauben. Auffallende Stilmerkmale sind: Inhalt, Sprache, Humor, Zugänglichkeit und Ensemblespiel. Alle Vorstellungen werden von den Mitgliedern der Theatergruppe entwickelt, durchdacht, gestaltet und begleitet, so dass eine in sich stimmige Identität entsteht.

Der Inhalt ist für die Theatergruppe Oostpool das Wichtigste. Wer etwas zu erzählen hat, muss dafür sorgen, dass er gehört wird. Alle theatralischen Mittel sind erlaubt. Ein Ziel der Vorstellungen ist es, das Publikum bis ins Mark hinein zu berühren und zum Selbstreflektieren anzuregen. Die Theatergruppe Oostpool sieht ihre Aufgabe darin, ein farbiges und klangliches Gegengewicht zu bieten und nicht einfach nur zu illustrieren, was hörbar und sichtbar ist. Feurige Herzen und erregte Geister, danach strebt die Theatergruppe.

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Alptraum ist das aktuelle Theaterstück von Oostpool

"whodunnit von 8 bis 88"                

Handlung: 

Dein schlimmster Alptraum: du bist ein Clown und willst deine Spargroschen am Schalter einer Bank einzahlen. Die Bankangestellte hinter dem Tresen hält dich für einen Bankräuber, der die Bank überfallen will. Kann es noch schlimmer kommen? Ja, es kann immer noch schlimmer kommen.

  

Ausgehend von dieser Idee hat Peer Wittenbols eine neue absurde Komödie für die Theatergruppe Oostpool geschrieben. Also, ein Clown in Bedrängnis, ein ängstlicher Polizist, eine dicke Frau (die Bankangestellte) mit Kinderwunsch, ein lieber Dummkopf, der nicht auf den Namen Toutou hört und ein Reporter, der eine Story schreiben muss - alle außer Rand und Band, bis diese schwere Straftat aufgeklärt ist. Dabei wird die Logik auf den Kopf gestellt, die Welt gerät aus den Angeln und es gelten die Gesetze des Clowns.

Steche ihn, er soll aber nicht bluten.
Vergifte ihn, er soll aber nicht sterben.
Lass ihn leiden, er soll keine Schmerzen haben.

Alptraum ist zugleich das Geburtstagsgeschenk von und für Ted Keijser, der sich nach dreißig Jahren Theaterschaffens immer noch von einer roten Nase und großen Schuhen rühren lassen kann. Schon in der Vergangenheit war er mit den ergreifenden Theaterstücken "Dubbeldooier" (mit Oper) und "Het Behouden Huysch" (mit Eisbär) als Regisseur für die Theatergruppe Oostpool tätig. Alptraum ist eine clowneske, absurde Komödie für Jung und Alt. Der schlimmste Alpraum wird wahr.

Text: Peer Wittenbols 
Regie: Ted Keijser
Dramaturgie: Rob Klinkenberg
Bühnenbild: Laura de Josselin de Jong
Kostüme: Dorien de Jonge 
Licht: Han Verweijen 
Musik: Wim Conradi 
Schauspieler: Heidi Arts, Flip Filz, Olaf Malmberg, Remco Melles en Servaes Nelissen


In der Saison 2007/2008 sind folgende Theaterinszenierungen geplant:


Auf der Seele (Op de ziel)

Handlung:

Anne ist zehn Jahre mit Vincent verheiratet.
Vincent hat seit drei Jahren eine heimliche Beziehung mit Maia.
Maia ist elf Jahre mit Lode verheiratet.
Vincent hat einen Autounfall.
Nach anderthalb Tagen stirbt er. 
Es ist ein Monat später.
Maia weiß noch von nichts.
Anne klingelt, Lode öffnet. 
Hundert Minuten.
In denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft radikal aus den Fugen geraten.

Text: Peer Wittenbols 
Regie: Rob Ligthert
Dramaturgie: Martine Manten
Bühnenbild: Catherina Scholten
Schauspieler: Malou Gorter, Anne Martien Lousberg en Jaap Spijkers


Das eigene Blut (Het Eigen Bloed)

Wittenbols und Ligthert rücken Kain und Abel zu Leibe 

Handlung:

"Soll ich meines Bruders Hüter sein?" sprach der schuldige Kain, als er gerade den ersten Brudermord in der Geschichte der Menschheit begangen hatte.

Sein Motiv war undeutlich. Rache sagt der Eine, pure Frustration sagt der Andere. Erbsünde, meint ein Dritter. Das Stück macht da weiter, wo die Geschichte von Kain und Abel in der Bibel, Genesis 4, aufhört.

Set ist der dritte Sohn von Adam und Eva.  Set ist zwanzig Jahre jünger als sein Bruder Kain. Er ist ihm noch nie begegnet. Adam und Eva haben Set immer verboten Kontakt zu Kain aufzunehmen, dem Mörder seines anderen Bruders. Set weiß aber, das sein Bruder am Kainsmal zu erkennen ist.

Set plagt eine Reihe von Fragen:

Ist er als Ersatz für Abel geboren worden? Wird er dem gerecht? Warum sind seine Eltern immer noch so unglücklich und trauern um Abel? Warum Gottes ungleiche Behandlung von Kain und Abel? Wie empfanden Vater und Mutter seinerzeit diese ungleiche Behandlung? Was empfand Abel? Was Kain?

Er kennt die Antworten seiner Eltern, aber nicht die von Kain. Schließlich will Set sie hören, auch wenn sie übel sein sollten.

Wittenbols und Ligthert tauchen ein in das vermeintlich Böse. Sie sind davon überzeugt, dass das Neuinterpretieren dieses klassischen (Bibel)Textes dabei hilft, unsere eigene mörderische Zeit einigermaßen zu verstehen. Das Böse ist immer ein Sammelbegriff für das Bedrohliche, das Chaos, die beängstigende Leere und Überdruss. Nicht nur in der Gesellschaft, sondern vor allem in uns selbst.

Text: Peer Wittenbols 
Regie: Rob Ligthert 
Dramaturgie: Matt Vermeulen
Licht: Tom Verheijen
Schauspieler: Heidi Arts, John Buijsman, Romijn Conen, Tim Murck u.a.


Die Stützen der Gesellschaft
(Pijler van de samenleving)

von Hendrik Ibsen in einer neuen Fassung von Rob Klinkenberg und Erik Whien

Ein politisches Drama über Moral Liebe und Wahrheit

Handlung:

In einer kleinen norwegischen Hafenstadt haben die Bürger so gut wie alles dem Geschäftsmann Karsten Bernick zu verdanken. Er sorgt für Arbeitsplätze und Wohlstand, ist aber auch zusammen mit seiner Frau Betty ein moralischer Halt. Eine wahre Stütze der Gemeinschaft.

Dann kommen aus Amerika Bettys Halbschwester Lona und ihr Bruder Johan an. Damit ziehen nicht nur Lebensfreude und Freidenkerei in das Dorf ein, sondern auch die Vergangenheit, die lieber vergessen wird. Plötzlich bedroht ein altes Geheimnis den makelosen Leumund und das gewinnbringende Geschäftsimperium von Bernick. Um sich zu schützen, fasst er einen unmoralischen Plan, der sich gegen alles wendet, was ihm lieb ist.

Die Stützen der Gesellschaft ist ein Stück mit großer Besetzung. Witzig die Art und Weise, wie die kleine Gemeinschaft gezeichnet wird, eindrucksvoll in ihrer Moral. Das Stück wurde bisher selten in den Niederlanden gespielt. Regisseur ist Erik Whien, der sowohl Schauspieler als auch Regisseur ist. Im Jahr 2005 führte er für die Theatergruppe Oostpool Regie beim Theaterstück "Allen Af" von Michael Frayn, und in 2006 spielte er in "Grensgevallen" von Han Römer mit. Unlängst inszenierte er für "Toneelschuur Producties" das erfolgreiche Theaterstück "Narziss und Goldmund" von Hermann Hesse.

In "Die Stützen der Gesellschaft" (1877) skizziert Ibsen nicht nur, wie bei Nora und Hedda Gabler, die spießige Ehemoral, sondern bietet auch eine breitere gesellschaftskritische Perspektive. Themen wie die politische Moral und materielle Werte versus persönliche Normen sind in diesem Stück verarbeitet. Es ist zugleich sein erster Schauspieltext, der den Auffassungen des Naturalismus folgt. Keine Könige oder Märchenfiguren die dichterisch sprechen, sondern normale Menschen in normalen Situationen. "Die Stützen der Gesellschaft" war der definitive Durchbruch von Ibsen und markiert den Beginn einer Blütezeit, in der er die Folgen von Verheimlichung, Verlogenheit und Heuchelei untersucht.

Text: Hendrik Ibsen
Regie und Bearbeitung: Erik Whien
Dramaturgie und Bearbeitung: Rob Klinkenberg 
Bühnenbildentwurf: Marc Warning 
Schauspieler: Lard Adrian, Floor van Berkestijn, Daan van Dijseldonk, Flip Filz, Joep van der Geest, Ali Ben Horsting, Emke Idema, Remco Melles, Gaby Milder en Juul Vrijdag 

Links zu diesem Beitrag:
Theatergruppe Oostpool
Über Peer Wittenbols  
Über das Theaterstück Atalanta von Peer Wittenbols für das Theater u\hof: Theater für junges Publikum am Landestheater Linz
Kurze deutschsprachige Biografie Ted Keijser (Schauburg München, 1992)